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Reaper und die VoiceOver-Zugänglichkeit: Erste Eindrücke

In diesem Beitrag berichte ich Euch von meinen ersten Eindrücken und meinen ersten Erfahrungen, die ich als VoiceOver-Nutzer mit Reaper gesammelt habe.

Die DAW Reaper ist mir schon lange Zeit ein Begriff.
Vor einigen Jahren habe ich Reaper auch schon mal mit VoiceOver getestet.
Leider war mein damaliger Test nicht so erfolgreich.
Aus diesem Grund habe ich mich nicht tiefer mit der DAW beschäftigt.

Vor kurzem brachte mich ein Leser auf die Idee Reaper erneut zu testen.
Da ich sah, dass es inzwischen ein spezielles Plugin für Reaper gibt, welches die VoiceOver-Zugänglichkeit der DAW verbessert, war ich gespannt auf Reaper und habe begonnen das Ganze erneut zu testen.
Von meinen ersten Eindrücken und Erfahrungen berichte ich im Folgenden.

Download und Installation

Der Download von der Hersteller-Seite war problemlos möglich.
Um die Software runter zu laden, muss man noch nicht einmal einen Account anlegen.

Die Installation war ebenso einfach und problemlos.
Hier muss man lediglich die App aus dem Disc-Image in den Programm-Ordner kopieren und kann sie von dort aus direkt öffnen.

Beim ersten Start werden alle installierten Audio-Plug-Ins gescannt.
Daher dauert dieser je nach dem etwas länger.

Als nächstes kann man die Audio-Hardware auswählen, die man nutzen möchte.

Registrierung

Sicherlich fragt Ihr Euch jetzt, wie es mit der Registrierung der Software ist oder?
Eine berechtigte Frage, da die Registrierung von Software gerade mit einem Screen-Reader schonmal problematisch sein kann.

Beim Start der Software erhält man den Hinweis, dass man diese 60 Tage lang uneingeschränkt testen kann, was ich persönlich mehr als optimal finde.

Deutsche Sprach-Datei

Reaper ist Standardmäßig in englischer Sprache vorkonfiguriert.
Eine deutsche Sprach-Datei lässt sich allerdings einfach herunterladen und installieren.
Aufgefallen ist mir aber, dass nicht alle Teile der Software in die deutsche Sprache übersetzt werden, was aus meiner Sicht aber nicht dramatisch ist.

Das Reaper-Accessibility-Plugin

Dieses Plugin verbessert die VoiceOver-Zugänglichkeit von Reaper, in dem es wichtige Funktionen für die VoiceOver-Bedienung hinzu fügt.
Im Folgenden ein paar Beispiele dieser Funktionen:

Spur-Navigation mit Pfeiltasten

Diese Funktion ermöglicht es VoiceOver-Nutzern, mit den Pfeil-Tasten zwischen den verschiedenen Spuren hin und her zu springen.
Dabei werden automatisch einige wichtige Infos über die Spuren angesagt.
Hier zu gehören Beispielsweise Folgende Infos:

  • Spur-Nummer
  • Spur-Name
  • Aufnahme-Bereitschaft aktiv
  • Solo aktiv
  • Mute aktiv
  • Anzahl der Clips auf jeweiliger Spur (Item)

Pegel-Kontrolle

Eine weitere Funktion, die vom Accessibility-Plugin bereitgestellt wird, ist die Pegel-Kontrolle bzw. das Auslesen der einzelnen Pegelanzeigen.
Mit Hilfe dieser Funktion kann man den Pegel der ausgewählten Spur per Tastatur-Kurzbefehl ansagen lassen.
Dabei kann zwischen linken und rechtem Kanal gewählt werden.

Was mir allerdings hier etwas fehlt, ist die Möglichkeit die Pegelanzeige so einzustellen, dass der höchste Pegel-Wert so lange angezeigt wird, bis man ihn manuell zurücksetzt.
Vielleicht aber gibt es diese Funktion bereits und ich habe sie nur bisher noch nicht entdeckt.

Volume und Pan

Die Lautstärke einer ausgewählten Spur, lässt sich ganz bequem mit der Tastatur verändern.
Genau so verhält es sich auch mit dem Stereo-Panorama.
Diese Änderungen werden allerdings nicht angesagt.

Um die genauen Werte zu erfahren, navigiert man daher am besten im Projekt-Fenster zur gewünschten Spur, oder nimmt das Routing-Fenster des jeweiligen Tracks zu Hilfe.
Bei diesem lassen sich allerdings nur die Prozent-Werte des Faders oder des Pan-Reglers auslesen.
Für den genauen Wert ist dann doch ein Blick ins Projekt-Fenster nötig.

Timeline-Navigation

Hier hat man verschiedenste Möglichkeiten der Navigation mit Tastatur.
Man kann entweder taktweise oder schlagweise nach links oder rechts springen.
Außerdem lässt sich von Item zu Item springen.
Mit Items sind in Reaper die Clips gemeint.
Darüber hinaus lässt sich vor oder zurück spulen, wobei man bei Audio-Spuren das Audio-Material sogar hört.
Somit lässt sich z. B. eine bestimmte stelle in der Audio-Spur sehr schnell finden.

MIDI in Reaper mit VoiceOver

Mit MIDI habe ich mich bei meinen bisherigen Tests von Reaper noch nicht genauer beschäftigt, daher kann ich dazu im Moment noch nichts genaueres sagen.
Es scheint aber problemlos möglich zu sein, MIDI aufzunehmen und zu quantisieren.
Wie es mit der MIDI-Bearbeitung aussieht, werde ich noch testen.

Audio-Aufnahme in Reaper mit VoiceOver

Wie oben bereits beschrieben, ist das Einpegeln der aufzunehmenden Signale mit dem Accessibility-Plugin problemlos möglich.
Somit ist schon mal ein sehr wichtiger Bereich für die Audio-Aufnahme kein Problem mehr.

Die Aufnahme-Bereitschaft der jeweiligen Spur zu aktivieren oder zu deaktivieren ist ebenfalls, wie oben berichtet, per Tastatur möglich.
Genauso auch das Aktivieren oder Deaktivieren des Spur-Monitoring.
Dann noch ein Tastatur-Befehl und die Aufnahme startet.

Stoppt man die Aufnahme, wird ein Fenster angezeigt, in dem man den Item-Namen direkt ändern kann.
Dies lässt sich aber auch, wenn gewünscht, deaktivieren.

Audio-Plug-Ins in Reaper

Bei den Audio-Plug-Ins, gibt es wie so oft, Unterschiede in der Bedienbarkeit mit VoiceOver.
Ebenso bei Instrumenten-Plug-Ins.
Hier müsst Ihr einfach mal testen, wie sich Eure Lieblings-Plug-Ins in Reaper mit VoiceOver bedienen lassen.

Der Reaper eigene EQ z. B. macht aber auf mich mit VoiceOver einen ganz guten Eindruck.
Ich werde auf jeden Fall auch noch weitere Plug-Ins in Reaper mit VoiceOver testen.

Fazit

Mit dem Accessibility-Plugin lässt Reaper sich gut mit VoiceOver nutzen.
Die durch das Plugin zu Verfügung gestellten Funktionen sind sehr hilfreich und sinnvoll und ermöglichen ein schnelles Arbeiten mit VoiceOver.
Nach meiner bisherigen Erfahrung mit der DAW und VoiceOver, liegen die Stärken im Audio-Recording und Editing.
Wie es mit MIDI aussieht, muss ich noch genauer testen.
Ich empfehle jedem, der sich für das Thema interessiert, Reaper einfach mal zu testen und eigene Erfahrungen zu sammeln.
Sicher wird Reaper für den Einen oder Anderen von Euch eine nützliche DAW sein, was ,wie schon beschrieben, von Eurem jeweiligen Einsatz-Gebiet abhängig ist.



Ein Beitrag von Florian Schmitz. Veröffentlicht am 24.07.2015

Genutzte Software-Versionen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren:

  • OS X 10.9.5 & OS X 10.10.4
  • Reaper 4.78