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Als blinder Mensch Audio-Engineer werden? Ja das ist möglich!

In diesem Beitrag erfahrt Ihr, wie ich trotz meiner Blindheit Audio-Engineer geworden bin und wie Ihr das ebenfalls schaffen könnt.

Florian Schmitz mit Kopfhörer vor Regie-Arbeitsplatz.

Die Anfänge

Den Wunsch im Tonstudio zu arbeiten, hatte ich erstmals 2005.
Damals war ich als Bassist mit einer Band im Studio um eine CD zu produzieren.
Die Studio-Arbeit als Musiker machte mir großen Spaß und schnell hatte ich auch Interesse an der technischen Seite gefunden.

Seit dieser Zeit habe ich mich intensiv mit dem Thema Tonstudio-Technik und der Musik-Produktion beschäftigt.
Ich eignete mir viel Wissen in diesem Bereich an und absolvierte einige Praktika in verschiedenen Studios.

Ich machte nicht nur positive Erfahrungen.
Mein größtes Problem war damals, dass ich die DAWs unter Mac OS X als Blinder nicht bedienen konnte.

Der Umstieg auf den Mac und VoiceOver

Anfang 2008 arbeitete ich erstmals selber mit Mac OS X und bin bis heute dabei geblieben.
2009 kaufte ich einen Mac Pro und baute basierend auf diesem mein erstes kleines Tonstudio auf.
Zu dieser Zeit arbeitete ich mit Cubase, was nicht wirklich gut mit VoiceOver zugänglich war.
Es war mir aber möglich die DAW mit einer Mischung aus VoiceOver, Tastatur-Befehlen, einem MIDI-Controller und teilweise sehr großer Vergrößerung, zu bedienen.
Zumindest als ich noch einen geeigneten minimalen Sehrest hatte.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch bereits ein Pro Tools LE 8-System mit einem Digi 003 Rack.
Mit Pro Tools kam ich aber zu dieser Zeit gar nicht klar, da die Software nicht mit VoiceOver zugänglich war und ich diese auch nicht so einrichten konnte, dass ich damit was hätte anfangen können.
So nutzte ich nur das Digi 003 Rack als Audio-Interface.

Erste Erfahrungen mit eigenen Produktionen

Mit Cubase produzierte ich 2009 erste Filmmusiken für eine Film-Doku des Medien-Projekt Wuppertal .
Darüber hinaus arbeitete ich an eigenen Projekten.
Anfang 2010 kam dann eine weitere Filmmusik für einen Film des Medien-Projekt Wuppertal hinzu.
Im Sommer 2010 stand dann die Produktion von Filmmusik für einen Kurzspielfilm von Marina Jenkner und Christoph Müller an.

In dieser Zeit habe ich viele Erfahrungen in meinem eigenen Studio gemacht.
Bis dato hatte ich aber noch keinen Ausbildungsplatz z. B. Als Mediengestalter im Tonstudio oder sonst einen Ausbildungsplatz in diesem Bereich.
Alle Bewerbungen kamen zurück, weil sich niemand vorstellen konnte, einen blinden Bewerber für einen Ausbildungsplatz einzustellen.

Ich habe aber trotzdem weiter nach einer Möglichkeit gesucht eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren, was sich aus heutiger Sicht definitiv gelohnt hat, denn Ende 2010 stieß ich im Netz auf das Angebot von HOFA .

Meine Ausbildung am HOFA College

Ich wollte gerne den HOFA Pro-Kurs am HOFA College absolvieren.
Bei diesem Kurs handelt es sich um einen Fernkurs zum Audio-Engineer.
Ob dies aber möglich war, konnten weder die Tutoren von HOFA, noch ich selbst einschätzen.
Dies lag daran, dass es keine Erfahrungswerte gab, auf die wir hätten zurückgreifen können, da dieser Fernkurs bis dato noch nie von einem blinden Teilnehmer absolviert wurde.

Ich bekam die Chance es einfach mal zu probieren und nutzte diese.
Anfang 2011 startete ich mit dem Fernkurs.

Der HOFA Pro-Kurs läuft im Normalfall über einen Zeitraum von 12 Monaten.
Ich benötigte insgesamt 24 Monate, was verschiedene Gründe hatte.
Ein Grund war beispielsweise, dass im Sommer 2011 die Einarbeitung mit meinem Blindenführhund anstand, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm.
Ein anderer Grund war, dass ich vor der Zwischenprüfung von Cubase auf Pro Tools umgestiegen bin und mich erst mal in die neue DAW einarbeiten musste.
Eigene Herangehensweisen zu entwickeln, nahm allerdings die meiste Zeit in Anspruch.
Damals habe ich mir Jemanden gewünscht, den ich bei der Lösung von blinden-spezifischen Problemen hätte fragen können.

Anfang 2013 war es dann geschafft.
Ich hielt mein Zertifikat zum Audio-Engineer in Händen.
Es war ein wirklich unbeschreibliches Gefühl.

Ihr seht also, dass es machbar ist auch als Blinder Mensch Audio-Engineer zu werden.

Ich weiss, dass auch einige von Euch den Wunsch haben Audio-Engineer zu werden und das Zeug dazu haben, es aber aus verschiedenen Gründen noch nicht angegangen sind.
Genau diejenigen von Euch möchte ich dazu ermutigen, den Wunsch in ein Ziel umzuwandeln und das Ganze anzugehen.

Für alle die sich jetzt angesprochen fühlen, habe ich eine gute Nachricht.

Ab sofort profitiert Ihr von der Kooperation zwischen dem HOFA College und audiacc.

Was bedeutet das für Euch?

  • Ihr lernt alles Wichtige zum Thema Ton- und Studio-Technik bei HOFA.
  • Zusätzlich profitiert Ihr als blinde Anwender von meinem Fachwissen im Bereich Musik-Produktion mit VoiceOver.
  • So werdet Ihr schnell und effizient, trotz Eurer Blindheit, zum Audio-Engineer.

Ihr seid interessiert?

Schreibt mir einfach eine Mail an info@audiacc.de, um alles Weitere zu erfahren.



Das Bild zeigt die Braille-Zeile. Es ist eine Baum SuperVario 40. Dieses Bild zeigt den Zimmer-Brunnen.

Ein Beitrag von Florian Schmitz. Veröffentlicht am 31.07.2015